Tom Vater

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(Deutsch) Amerikas geheimer Krieg in Laos – Die größte Militäroperation der CIA – Rezensionen

Amerikas geheimer Krieg in Laos – Die größte Militäroperation der CIA Ein Dokumentarfilm von Marc Eberle | NDR/arte/WDR | 75 min | HD 2008 | (Drehbuch: Marc Eberle/Tom Vater)

Entwickelt im Rahmen der Discovery Masterschool

Gefördert durch die Filmförderung FFHSH, Filmstiftung NRW, MEDIA NEW TALENTS und MEDIA BROADCAST

Der „geheime Krieg in Laos“ ist eine der größten und spektakulärsten Geheimoperationen in der Geschichte der CIA und bis heute dauern seine Nachwehen an: 30 Jahre nach Ende des Vietnamkrieges liefern sich Überbleibsel der geheimen CIA Armee noch immer vereinzelte Gefechte mit den kommunistischen laotischen Regierungstruppen. Hauptquartier der CIA und der geheimen Hmong Armee war Long Cheng, ehemals ein unbewohntes Tal im laotischen Dschungel, in dem die CIA ab 1962 eine Luftbasis mit 40.000 Einwohnern errichtete. Von hier aus wurde der Krieg koordiniert, von hier starteten und landeten täglich über 400 Flugzeuge. Für einige Jahre war Long Cheng die zweitgrößte Stadt in Laos und der meist beflogene Flugplatz der Welt, aber auf keiner Landkarte verzeichnet und nicht einmal der US-Kongress wusste von ihrer Existenz.

In seinem Film macht sich Marc Eberle auf Spurensuche und erzählt mit zum Teil nie vorher gezeigtem Archivmaterial die Genese und unglaubliche Geschichte dieses Krieges, der in vielen Merkmalen zum Vorläufer für die heutige amerikanische Kriegsführung wurde. Er hat ehemalige CIA Offiziere, den General der Hmong, Vang Pao, frühere Piloten, Journalisten und laotische Zeitzeugen vor die Kamera geholt und lässt sie erzählen – von der grausamen Surrealität eines Krieges, der in seinen Verflechtungen unglaublich und skandalös war. Gleichzeitig nimmt uns der Filmemacher mit auf eine Reise nach Long Cheng selbst, einem Ort, der seit 1975 von keinem westlichen Journalisten betreten werden konnte. Eine Ruinenlandschaft und Geisterstadt, die bis heute keinen Frieden gefunden hat.

2001  (Verleih) schreibt:

Vor über 30 Jahren erschütterten die Bilder des Vietnamkrieges die Weltöffentlichkeit. Es war der erste Fernsehkrieg der Geschichte.

Davon, dass dieser Krieg auch im Nachbarland Laos geführt wurde, ist hingegen bis heute so gut wie nichts bekannt. Vom Geheimkrieg in Laos gibt es so gut wie keine Bilder. Er ist ein unaufgearbeitetes Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und das, obwohl dieser Krieg bis heute nicht wirklich beendet und obwohl er die größte und spektakulärste Geheimoperation in der Geschichte der CIA ist. Deren Ziel: die Zerstörung des Ho-Tschi-Minh-Pfades, der Versorgungsroute der Vietcong, die zu Teilen durch den laotischen Dschungel verlief.

1962 errichtet die CIA in Long Cheng eine Luftwaffenbasis, die mit 40.000 Einwohnern zur zweitgrößten Stadt von Laos heranwächst. Hier starten und landen bald täglich bis zu 400 Bomber und Frachtflugzeuge – zeitweise ist Long Cheng der verkehrsreichste Flugplatz der Welt. Die Stadt ist auf keiner Landkarte verzeichnet und wird selbst vor dem US-Kongress geheim gehalten. Die Finanzierung dieser Basis verdankt sich verdeckten Drogengeschäften des Geheimdienstes.

Zwischen 1964 und 1973 bombardieren die USA „das Land der Millionen Elefanten“ rund um die Uhr, in 580.000 Flügen (mehr als in Vietnam) werden 2,1 Millionen Tonnen Bomben auf Laos geworfen. Das ist durchschnittlich alle 8 Minuten eine Bombe, 24 Stunden täglich, neun Jahre lang. Das sind mehr Bomben, als auf Deutschland und Japan zusammen während des ganzen Zweiten Weltkriegs niedergingen. Ein Großteil des Landes wird mit Millionen Blindgängern und vom Entlaubungsmittel „Agent Orange“ verseucht. Bis heute sterben Menschen an den Hinterlassenschaften dieses Krieges. Zugleich zwingt die CIA Angehörige eines laotischen Bergvolkes, die Hmong, als Soldaten in eine geheime Guerilla-Armee. Im Kampf gegen die Vietcong und laotischen Kommunisten kommen sie zu zigtausenden ums Leben.

Als die USA den Krieg in Vietnam verlieren, geben sie auch die Geheimbasis Long Cheng auf: die Stadt, den Flughafen, die Guerilla-Armee. Wie in Vietnam verraten sie in Laos ihre Helfer und Alliierten und überlassen die Hmong der Verfolgung durch die neue kommunistische Regierung in Vientiane. Reste der CIA-Guerilla liefern sich bis heute im Dschungel immer wieder Gefechte mit laotischen Regierungstruppen.

In seinem Film begibt sich Marc Eberle auf die Suche nach den letzten Spuren der gigantischen Geheimoperation. Mit zum Teil bisher unveröffentlichtem Archivmaterial der CIA erzählt er die Genese und unglaubliche Geschichte dieses Krieges, der in vielen Merkmalen zum Vorläufer für die heutige amerikanische Kriegsführung wurde. Zeitzeugen wie ehemalige Offiziere und Piloten der CIA und der Hmong-Armee, Geheimdienstexperten und Journalisten erzählen von der grausamen Surrealität und den Folgen dieses Krieges. Und Eberle besucht Long Cheng, das seit 1975 von keinem westlichen Journalisten betreten werden konnte. Eine Ruinenlandschaft und Geisterstadt, die bis heute keinen Frieden gefunden hat.

Kino-Zeit schreibt:

Eher beiläufig erfährt man in Clint Eastwoods neuem Film Gran Torino etwas über das aus Südostasien stammende Volk der Hmong, die während des Vietnam-Krieges als Verbündeter der USA kämpften und nach der Niederlage der Weltmacht zum großen Teil ins Exil fliehen mussten. Marc Eberles Film Amerikas geheimer Krieg in Laos schildert den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Leidens der Hmong und damit verbunden die Hintergründe der größten militärischen Operation der CIA – eine Geschichte, die auch bis heute weitgehend im Verborgenen geblieben ist und deren ganzes erschütterndes Ausmaß erst in den letzten Jahren langsam ans Licht kommt.

Dass dies nun endlich nach mehr als dreißig Jahren geschehen kann, liegt vor allem an dem australischen Fotografen Philip Blekinsop, dessen mit dem World Press Photo Award ausgezeichnetes Bild von Hmong-Kämpfern im Dschungel von Laos die Augen der Weltöffentlichkeit auf diesen geheimen, vergessenen und bis heute nicht beendeten Krieg lenkte. Es zeigt Guerilla-Kämpfer, die seit dem Ende des Vietnam-Krieges ohne jegliche Unterstützung der USA ihren aussichtslosen Kampf gegen die kommunistische Regierung von Laos führen – ein zäher Krieg ohne jede Aussicht auf Erfolg und aufgrund der durch die USA mitgeprägten Vorgeschichte ohne Hoffnung auf Versöhnung und Frieden.

Die Anfänge der Verstrickungen von Laos in die große Weltpolitik gehen bis ins Jahr 1960 zurück und spiegeln die weltpolitische Lage zu Zeiten des Kalten Krieges wider. Was dem Land zum Verhängnis wurde, war vor allem seine Lage und seine Nachbarschaft zu Krisenregionen wie Kambodscha und eben Vietnam. Da der so genannte Ho-Chi-Minh-Pfad, also die Hauptversorgungs- und Nachschubroute der Vietcong-Kämpfer, über laotisches Gelände führte, geriet Laos trotz seiner Neutralität zu einem wichtigen Nebenkriegsschauplatz des Vietnam-Krieges. Von geheimen Stützpunkten im Landesinneren aus wie dem Flughafen von Long Cheng führte die USA einen erbarmungslosen Luftkrieg gegen das Land, ohne diesem jemals den Krieg erklärt zu haben: Zwischen 1964 und 1973 wird das “Land der Millionen Elefanten” quasi pausenlos bombardiert, in 580.000 Flügen werden 2,1 Millionen Tonnen Bomben auf Laos geworfen, alle 8 Minuten eine Bombe, 24 Stunden täglich, neun Jahre lang. Finanziert wird die Militäroperation zum Teil durch die Beteiligung der CIA am Opium- und Heroinhandel, der dafür sorgt, dass mehr als 40.000 US-Soldaten schwerst drogenabhängig in die Heimat zurückkehren.

Doch es blieb nicht allein beim schwersten Bombardement der Militärgeschichte, das bis zum heutigen Tag seiner Opfer durch Blindgänger und die Spätfolgen durch das Herbizid “Agent Orange” fordert. Um die Vietcong und deren Nachschubrouten auch am Boden zu bekämpfen, ohne direkt in das Geschehen im neutralen Laos einzugreifen, bedienten sich CIA-Mitarbeiter der Hmong, die für den erbarmungslosen Kampf gegen die kommunistischen “Pathet Lao” rekrutiert werden. Als der Krieg in Vietnam dann endgültig verloren war, überließ man die nützlichen Verbündeten einfach ihrem Schicksal, die Kämpfe dauern zum Teil bis heute an. Die Folgen für das Land sind verheerend: Hunderttausende Laoten – rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung – auf der Flucht, unzählige Zivilisten sterben an den Folgen der Bombardements, Zeugnisse einer Jahrtausende alten Kultur in der Ebene der Tonkrüge werden durch die Bombenteppiche der B52-Bomber zerstört, ein Land versinkt im Chaos und befindet sich heute noch im Bürgerkrieg, der durch die USA für deren Zwecke benutzt wurde.

Amerikas geheimer Krieg in Laos ist ein sorgfältig recherchierter und mit reichlich bislang unveröffentlichtem Archivmaterial montierter Film, der ein bezeichnendes Licht auf die Geopolitik der USA wirft. Dass es dabei nicht nur um Vergangenheitsbewältigung geht, sondern auch darum, die Gegenwart besser zu verstehen, wird spätestens dann deutlich, wenn ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter die Parallelen zu den derzeitigen Kriegen in Afghanistan und im Irak in den Raum stellt. Neben ihm und anderen Beteiligten wie dem laotischen Widerstandsführer General Vang Pao kommen der Fotograf Philip Blekinsop, der Journalist und frühere Entwicklungshelfer Fred Branfman, der Historiker Alfred McCoy, der Air America Pilot Charlie Weitz, das Kriegsopfer Sousath Phetrasy sowie viele andere Zeitzeugen zu Worten und legen ein entsetzliches Zeugnis davon ab, wie gründlich Eberle und sein Co-Autor Tom Vater bei den Recherchen zu diesem Film vorgegangen sind.

Immer wieder glaubt man sich in einem hoffnungslos übertriebenen Hollywood-Drehbuch gefangen; so etwa, wenn die Sprache auf den CIA-Kämpfer Tony Poe kommt, der wie Colonel Kurtz in Apocalypse Now im jahrelangen Dschungelkampf außer Kontrolle geriet und der auch heute noch einigen seiner Mitkämpfer grimmigen Respekt abtrotzt. Die Wahrheit des geheimen Krieges in Laos aber stellt so manche Fiktion in den Schatten und wirft ein anderes Licht auf die Hegemonialbestrebungen der USA in der Vergangenheit und damit auch auf die Konflikte und möglichen geheimen Verstrickungen in der Gegenwart. Für unmöglich hält man nach diesem Film jedenfalls nichts mehr.

Filmstarts-De schreibt:

Der Vietnamkrieg (von 1965 bis 1975) ist das Trauma der US-amerikanischen Volksseele und in der Kinohistorie bereits aus allen erdenklichen Blickwinkeln beleuchtet worden. Was in Laos passierte, ist hingegen bis heute kaum im öffentlichen Bewusstsein verankert, weil dieser Krieg gegen Vietnams Nachbarn von den USA streng im Verborgenen geführt wurde und so gut wie keine Fernsehbilder verfügbar sind. Von 1960 bis 1975 infiltrierte der amerikanische Geheimdienst CIA den südostasiatischen Staat mit seinen Agenten und zettelte einen Konflikt an, der in seinen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung beispiellos ist. Die Amerikaner schmissen Millionen Tonnen Bomben auf Laos – also mehr als in Deutschland und Japan zusammen während des gesamten Zweiten Weltkriegs niedergingen. Filmemacher Marc Eberle folgt in seiner sorgsam recherchierten Dokumentation „Amerikas geheimer Krieg in Laos“ alten Spuren und zeichnet mithilfe von Zeitzeugen und vieler bisher unveröffentlichter Aufnahmen aus den CIA-Archiven ein scharfes Bild eines fast vergessenen Kapitels der Geschichte nach.

Bereits der Untertitel von Eberles Film, „Die größte Militäraktion der CIA“, bringt das Thema bereits prägnant auf den Punkt. Als Basis dienen erschütternde Fotos, die der Reporter Philip Blekinsop 2003 im laotischen Dschungel schoss. Die einheimische Guerilla-Armee des Bergvolks der Hmong führt selbst nach dem Ende des Vietnamkriegs – von den USA längst im Stich gelassen – immer noch einen aussichtslosen Kampf gegen das kommunistische Regime. Während Bud Spencer und Terrence Hill eine solche Situation in ihrem Abenteuer-Klamauk Zwei Asse trumpfen auf, in dem ein japanischer Soldat noch Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs seine Stellung hält, noch grotesk auf die Schippe nahmen, ist ein solch merkwürdig-beängstigender Zustand in Eberles Dokumentation nun bitterere Realität. Allein Blekinsops mit dem World Press Award ausgezeichnetes Foto der verzweifelt klagenden Hmong-Kämpfer geht bereits schwer an die Nieren. Der australische Fotograf wird, wie er glaubhaft berichtet, die klagenden Laute dieser Gruppe niemals vergessen. Vergessen kann auch die Zivilbevölkerung nicht. Die USA haben das offiziell neutrale Laos in ein Minenfeld verwandelt, das vor gefährlichen Blindgängern nur so wimmelt und mit dem giftigen Entlaubungsmittel Agent Orange verseucht ist. Kein Land der Erde musste bisher stärkere Angriffe über sich ergehen lassen. In den Jahren 1964 bis 1973 bombardierten die Amerikaner Laos rund um die Uhr. Bei 580.000 Flügen ließen sie 2,1 Millionen Tonnen Bomben auf das „Land der Elefanten“ niederprasseln – 24 Stunden am Tag, neun Jahre lang. Das entspricht einer Bombe alle acht Minuten.

Die Amerikaner wollten in dieser hochgeheimen Aktion, die selbst am eigenen Kongress vorbeigeschleust wurde, den für Nordvietnam so eminent wichtigen Ho-Tschi-Minh-Pfad zerstören, der den Nachschub der Vietcong sicherte und mitten durch Laos führte. 1962 baute die CIA in Long Cheng einen Luftwaffenstützpunkt, der auf keiner Landkarte der Welt erschien, aber mit 40.000 Einwohnern zur zweitgrößten Stadt des Landes heranwuchs. Die Landepiste avancierte in der Hochzeit zum verkehrsreichsten Flugplatz der Welt, von dem 400 Bomber täglich in die Lüfte stiegen. Finanziert hat die CIA diese monströse Operation mit verdeckten Drogengeschäften, die größtenteils über den Tarntransportdienst „Air America“ abgewickelt wurden.

Eberle, der dem Pfad bis in die Ruinen von Long Chen folgt, entwirft ein präzises Bild der damaligen Situation und stellt die zentralen Personen der ungeheuerlichen Militäroperation vor. Neben dem gefürchteten laotischen Widerstandsführer Vang Pao kommen dabei unter anderem der Journalist Fred Branfman, der Historiker Alfred McCoy, der „Air America“-Pilot Charlie Weitz und das Kriegsopfer Sousath Phetrasy zu Wort. Die Rückblicke zeigen aber nicht nur die Bitterkeit der Bevölkerung. Gerade die beteiligten amerikanischen Geheimdienstler und Militärs sehen mitunter fast schon mit Wehmut auf diese turbulente Zeit zurück, in der sie in Wildwest-Manier machen konnten, was ihnen gerade in den Sinn passte. Geschickt spannt Eberle einen Bogen zu heutigen Kriegen wie den in Afghanistan oder im Irak und macht am Fallbeispiel Laos noch einmal mehr als deutlich, dass sich auch die Amerikaner hemmungslos der Mittel der Propaganda bedienen, um die Öffentlichkeit ruhig zu stellen.

Fazit: Marc Eberle wählt für seine Dokumentation „Amerikas geheimer Krieg in Laos“ einen stilistisch klassischen Weg und fährt gut damit. Der Regisseur lässt in seiner sehr sorgfältig montierten Bildermischung aus seltenen Archivaufnahmen, Fotos und aktuellen Einstellungen einen lange Zeit vergessenen Krieg wieder auferstehen und vermittelt so einen realistischen Eindruck des Grauens.

Carsten Baumgardt

Neues Deutschland schreibt:

Bizarrer Schattenkrieg

Berlin-Premiere eines beeindruckenden Dokumentarfilms über geheime CIA-Operationen

Der angeblich heftigste Luftkrieg der Geschichte wurde nie offiziell erklärt. Mit über zwei Millionen Tonnen Bomben warf die US-Armee zwischen 1960 und 1975 mehr Sprengstoff auf Laos als im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen. Und dies ohne Wissen oder gar Zustimmung des US-Kongresses oder der Öffentlichkeit. Und obwohl Laos im nebenan tobenden Vietnam-Konflikt offiziell neutral war.

Dies ist jedenfalls die These des Dokumentarfilms »Amerikas Geheimkrieg in Laos«, der morgen Berlin-Premiere feiert. Und es ist nur eine Facette der schier unglaublichen Vorgänge, die Regisseur Marc Eberle beschreibt und die das südostasiatische Laos seit den späten 50er Jahren bis in die Gegenwart destabilisieren.

Die großen Trümpfe von Eberles spannender, aufwendiger und gut recherchierter Dokumentation sind die schillernden Gesprächspartner vom Söldner oder örtlichem CIA-Chef über kommunistische Kämpfer bis zum laotischen Exgeneral und Heroin-Zaren. Außerdem drang er mit seiner Kamera in bislang geheime militärische Sperrgebiete vor, die seit Abzug der US-Amerikaner kaum ein Ausländer betreten durfte.

Zwar wurde auf der Genfer Konferenz von 1962 auch von der US-Regierung die laotische Neutralität anerkannt. Im Geheimen aber startete Präsident Kennedy just in diesem Jahr eine CIA-Operation von monströsen Ausmaßen, um die erstarkende Widerstandsbewegung Pathet Lao in Schach zu halten. Mitten im Dschungel wurde im Tal von Long Cheng das CIA-Hauptquartier errichtet, das sich in nur vier Jahren zu einer Stadt mit 40 000 Einwohnern und dem mit 400 Starts pro Tag zeitweise meistfrequentierten Flughafen der Welt entwickelte – und dennoch auf keiner Karte verzeichnet war und nie in den Nachrichten erwähnt wurde.

Für ihren Schattenkrieg traf sich hier eine bizarre Mischung aus Söldnern, Antikommunisten, Waffenhändlern, rechtsextremen Abenteurern, laotischen Militärs, Schweinebuchtveteranen – und Drogenhändlern. Der Heroinhandel, der sich im Laufe der US-Präsenz verzehnfachte, war, so die ausführlich belegte These der Filmemacher, wichtiger Bestandteil des CIA-Finanzkonzeptes. Diese verkaufte das hellbraune Pulver demnach auch an US-Soldaten in Saigon. Laut der Dokumentation war in den frühen 70er Jahren fast jeder dritte GI drogenabhängig, gab es in der Armee mehr Junkies als in den gesamten Vereinigten Staaten. Es gelangten aber auch Drogen in die USA. Vom Gewinn wurden laut Autoren geheime CIA-Operationen bezahlt.

Der verleugnete Krieg begeisterte damals nicht nur Kennedy, auch seine Nachfolger Johnson und Nixon führten ihn fort. Angehörige des Volkes der Hmong (Meo) wurden im Zuge dessen vom US-Geheimdienst als antikommunistische Bodentruppen trainiert, die US-Luftwaffe übernahm die gnadenlose Luftunterstützung. Ab 1965 griff der Vietnamkrieg dann völlig auf Laos über, da ein Teil der Ho-Chi-Minh-Pfad genannten Nachschubroute hier verlief. Auch massive und opferreiche Flächenbombardements konnten jedoch die Versorgung der vietnamesischen Befreiungsfront nicht unterbinden, die schließlich 1975 siegte. Die Hmong-Kämpfer wurden darauf ihrem Schicksal überlassen.

Tobias Riegel

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